Epiktets Anleitung zu mehr Gelassenheit

Es gibt Tage, die sind für mich eine Herausforderung in Sachen Gelassenheit. So wie heute zum Beispiel. An diesen Tagen hilft es mir (nicht immer) mich an einen Ausspruch des antiken Philosophen Epiktet zu erinnern, denn ich irgendwann gelesen und notiert habe:

Über das eine gebieten wir, über das andere nicht. Wir gebieten über unser Begreifen unseren Antrieb zum Handeln, unser Begehren und Meiden, und, mit einem Wort, über alles, was von uns ausgeht; nicht gebieten wir über unseren Körper, unseren Besitz, unser Ansehen, unsere Machtstellung, und, mit einem Wort, über alles, was nicht von uns ausgeht.Worüber wir gebieten, ist von Natur aus frei, kann nicht gehindert oder gehemmt werden; worüber wir aber nicht gebieten, ist kraftlos, abhängig, kann gehindert werden und steht unter fremden Einfluß. Denk also daran: Wenn du das von Natur aus Abhängige für frei hältst und das Fremde für dein eigen, so wird man deine Pläne durchkreuzen und du wirst klagen, die Fassung verlieren und mit Gott und der Welt hadern; hältst du aber nur das für dein Eigentum, das wirklich dir gehört, das Fremde hingegen, wie es tatsächlich ist, für fremd, dann wir niemand je dich nötigen, niemand dich hindern, du wirst niemand schelten, niemand die Schuld geben, nie etwas wider Willen tun, du wirst keinen Feind haben, niemand wird dir schaden, denn du kannst überhaupt keinen Schaden erleiden.Wenn du nun nach so hohen Zielen strebst, denke daran, daß du nicht mit nur mäßigen Bemühen nach ihnen greifen darfst, nein du mußt auf manches ganz verzichten, manches vorläufig aufschieben. Wenn du aber außerdem auch auf Macht und Reichtum aus bist, so wirst du vielleicht auch hierin scheitern, weil du zugleich nach jenem strebst; auf alle Fälle wirst du das verfehlen, woraus allein Freiheit und Glück hervorgehen. Bemühe dich daher, jeden ärgerlichen sofort entgegenzuhalten: „Du bist nur ein Eindruck, und ganz und gar nicht das, was du zu sein scheinst.“ Dann prüfe und begutachte den Eindruck nach den Regeln, die du kennst, vor allem nach der ersten Regel, ob der Eindruck zu tun hat mit den Dingen, über die wir gebieten oder nicht gebieten, wenn er mit etwas zu tun hat, über das wir nicht gebieten, dann habe die Antwort zur Hand: „Es geht mich nichts an.“

Quelle: Epiktet – Handbüchlein der Moral; Stuttgart 2008

Gelegentlich funktioniert es. Nicht immer. Aber immer öfter.

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