Das un­ge­nutzte Potential von Social Media in der Bürgerkommunikation

social-349597_1280 Alle Schaltjahre kommt es mal vor, das ich auf der Homepage meiner „Wohnstadt“ ‪‎Weinsberg‬ etwas suche. So auch heute. Es endet jedes fast jedes mal mit einer herben Enttäuschung für mich. Inhaltlich wie auch gestalterisch weit hinter den Möglichkeiten, die es zwischenzeitlich gibt. Nicht gerade ein digitales Aushängeschild. Und das im Jahr 2015. Dabei hat mittlerweile selbst der letzte Hinterwäldler verstanden, dass der Internetauftritt die digitale Visitenkarte ist.

Was ebenfalls gänzlich fehlt ist irgendein sozial-medialer Auftritt. Das halte ich heute ebenfalls für eine sehr schwache Leistung. Manche Kommunen sind da wesentlich weiter (wenn auch nach wie vor weit hinter den Möglichkeiten). Bedauerlicherweise spielt Social Media in der Bürgerkommunikation nach wie vor eine untergeordnete Rolle. Seit meinem Artikel im Herbst 2013 in der DEMO hat sich da wenig getan.

Zwischenzeitlich bin ich auch ich ein paar Erkenntnisse reifer geworden. Dennoch glaube ich nach wie vor daran, dass Social Media Teil der Kommunikationsstrategie jeder Gemeindeverwaltung sein sollte, die insbesondere die Bereiche Stadtmarketing, Tourismusmarketing und – ja auch das – aus Sicht der Bürgerbeteiligung tangiert und daher nicht derart sträflich vernachlässigt werden sollte.

Ich höre schon die Kollegen stöhnen, von wegen zuviel Arbeit und wer soll das alles machen. Noch dazu der Datenschutz (an dieser Stelle muss ich immer lachen, wenn ich sehe, wie lax manche Kollegen mit schriftlichen Unterlagen umgehen oder wie selten die USB-Ports an den Kopierern in den Treppenhäusern der Rathäuser gesichert sind) … Ja, es ist Arbeit. Und ich weiß, dass es hinten und vorne an Personal fehlt, um alle diese Dinge zu machen. Bei dem Gedanken, dass aber sonst mit der Gießkanne in vielen Kommunen fleißig Mittel gestreut werden, statt sich strategische „Ziele“ und Prioritäten zu setzen, sich entsprechend auszurichten, ärgert mich diese Aussage – die ich selbst immer wieder auch von Kollegen aus anderen Städten und Gemeinden zu hören bekomme – ungemein. Gut die Strategie zu definieren, ist in erste Linie Aufgabe der Verwaltungsspitze und des Gemeinderats – nicht der Verwaltung als solche, aber die Verwaltung kann selbst Impulse setzen.

Hinzu kommt, dass eine öffentliche Verwaltung vor allem einen öffentlichen Auftrag hat. Dieser beinhaltet auch Bürger angemessen zu informieren. D. h. auch die Medien zu nutzen, die der Bürger nutzt um sich zu informieren. Alles Teil einer „runden“ und durchdachten Strategie. Es reicht nicht aus einmal per Woche eine verschlafene Pressemitteilung an die Presse per Email zu schicken und das Amtsblatt zu füttern. Mal davon abgesehen bieten die digitalen Medien eine sehr gut Ergänzung um Inhalte einem interessierten Publikum zu Verfügung zu stellen, die sich im Print oft nicht sinnvoll abbilden lassen (ich denke da z. B. an Planungsunterlagen, die als PDF hochauflösend bereitgestellt werden könnten oder einfach nur an projektbegleitende Kommunikation).

Es wäre natürlich ein besonders bürgerfreundlicher Service, wenn es auch einen RSS-Feed und vielleicht einen Twitter-Account und eine Facebook-Seite gäbe, um „Neuigkeiten“ abonnieren zu können – da wären wir immerhin schon mal in der Mittelklasse (und den für mich zu erwartenden Standard). Schließlich habe ich weder die Lust noch Zeit jeden Tag auf die städtische Homepage zu schauen, ob es irgendetwas Neues gibt. Einen Coroporate-Blog erwarte ich schon gar nicht (Königsklasse), dass wäre natürlich ein Aufwand, den sich nur größere oder innovativere Kommunen leisten können bzw. wollen. 

Nicht nur als Bürger ärgert es mich gewaltig, wenn ich sehe, wie wenig sozialen Medien noch immer in den Rathäusern genutzt werden. Das ungenutzte, brachliegende Potential in der Außenkommunikation (vom Einsatz sozialer Medien in der Verwaltung selbst, z. B. Wikis, Messenger statt Email u. ä. will ich gar nicht erst anfangen) macht mich jedes mal wuschig. Wieviele Menschen mehr könnte man so erreichen? Wieviele Menschen könnte man so in Entscheidungsprozesse auf kommunaler Ebene einbinden?

Es gilt, was ich in dem bereits erwähnten Artikel der DEMO geschrieben haben: Wagen wir mehr Social Media in den Kommunalverwaltungen!

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