Die hohe Kunst der Gastgeberschaft: mein Rückblick auf das Art of Hosting-Training in Vorarlberg

Ich hatte das große Glück diese Woche (30.6. bis 3.7.2015) am Art of Hosting-Training in vorarlbergischen St. Gerold (großes Walsertal, Österreich) teilnehmen zu dürfen. Für diejenigen, die sich unter „Art of Hosting“ nichts vorstellen können: „Art of Hosting ist die Kunst, gute Gespräche zu ermöglichen und dies als Führungsinstrument einzusetzen. Sie bezieht den einzelnen Menschen sowie das System ein, baut auf persönliche Erfahrung, Dialog, Moderation und kreiert gemeinsam innovative Lösungen für komplexe Herausforderungen.“ Kurz: es geht in dem Training um partizipative Moderationsmethoden wie World Café, Open Space und einige mehr.

Den Tipp zu dieser Trainingsveranstaltung habe ich übrigens von Stephan List bekommen, bei dem ich mich herzlich dafür bedanke. Es hat sich wirklich gelohnt.

Veranstaltet wurde das Training durch das Büro für Zukunftsfragen des Landes Vorarlberg. Eine äußerst interessante Stabsstelle, direkt bei der Vorarlberger Landesregierung angesiedelt, die verschiedenste Zukunftsthemen fördert und forciert. Das Büro für Zukunftsfragen veranstaltet diese Trainings bereits seit mehreren Jahren und hat sich – zu Recht – einen guten Ruf über die Landesgrenzen der Alpenrepublik hinaus erworben. Dies hat sich unter anderem in der Zusammensetzung der rund 114 Teilnehmer niedergeschlagen, die zu meiner großen Freude aus unterschiedlichsten Bereichen und Branchen kamen. Die sonst vergleichsweise hohe Sozialpädagogendichte war angenehm überschaubar. Man möge es mir bitte verzeihen, aber eine Eigenheit viele Sozialpädagogen ist das „Weichspülen“ kritischer Töne und dies ist nicht immer förderlich. Durch die bunte Mischung war nicht nur die Themenmischung im Training selbst sehr spannend, sondern auch die zahlreichen Gespräche während der Pausen. Ein zusätzlicher Mehrwert, denn ich sehr zu schätzen weiß.

Vorweg: das Training war anstrengend. Nicht nur wegen der hohen Temperaturen, die uns trotz der Höhe, ziemlich zu schaffen machten, sondern auch weil es richtig zur Sache ging. Statt grauer Theorie, die jeder in einem schlauen Buch nachlesen kann, ging es von Anfang an ins Eingemachte: Learning by doing. Zu den Inhalten gehörten Methoden, wie  „Circle“, World Café, Open Space, Appricatie Inquiry, Storytelling, Pro Action Café uvm. Interessanterweise und das war einer der Gründe, warum ich mich für dieses Training entschieden habe, ausschließlich mit sehr erfahrenen Coaches, die ihren Erfahrungsschatz mit den Teilnehmern sehr gerne geteilt haben.

Über die reinen Moderationsmethoden hinaus, für die es ein sehr gute Skript zur Veranstaltung gibt, wurden kritische Punkte des Prozessdesigns vermittelt und viel Wert auf das sogenannte „Harvesting“ gelegt. Das Harvesting oder zu deutsch die Ernte, geht weit über die übliche Dokumentation der Ergebnisse heraus.

Ich gehe mit einer Vielzahl von Aha-Effekten aus diesem Training und werde wohl noch einige Zeit benötigen, um all die Eindrücke zu verarbeiten, die ich mitgenommen habe. Dennoch kann ich ein erstes Fazit ziehen. Unter anderem gibt es in der Geisteshaltung eine Vielzahl von Parallelen zum agilen Projektmanagement, dass mir bekanntermaßen sehr am Herzen liegt. Das partizipative Verfahren setzt eine gründliche Auseinandersetzung mit dem „warum“ und zwar aus Sicht aller Beteiligten voraus. Eine Frage, die auch im beruflichen Alltag viel zu wenig Beachtung erfährt. Insofern hat das Training nicht nur meine Methodenkompetenz erweitert, sondern mich in vielen meiner Ansichten bestätigt und Klarheit für mich geschaffen.

Kleiner Hinweis für die etwas „steiferen Briten“ unter Euch: die Atmosphäre während des Trainings war sehr offen geprägt. Ein legeres „Du“ gehört zum guten Ton, wobei dies ohnehin zur Kultur der Vorarlberger gehört. Ein leichter „esoterischen“ Touch im sozialpädagogischen Sinne gehört zum Training dazu. Wer also damit ein Problem hat, sollte es sich gut überlegen.

Einziges Manko aus meiner Sicht – die Wlan-Versorgung hätte besser sein können und auch twitternde Teilnehmer waren rar gesät. Hier sehe ich noch etwas Nachholbedarf. Eine Online-Dokumentation wird es noch geben. Diese werde ich entsprechend verlinken, sobald diese vorliegt.

Allen anderen kann ich nur empfehlen, den Weg auf sich zu nehmen und ins österreichische Ländle zu fahren. Das Art of Hosting-Training in Vorarlberg wird mir noch lange und sehr positiv in Erinnerung bleiben.

Noch eine kleine Ergänzung zum Seminarort: das Training fand in der Propstei St Gerold statt. Einfache und schöne Räumlichkeiten mit einem gelungenen Ambiente, sehr hilfsbereiten Mitarbeitern und einer hervorragenden Küche (ihr wisst ja – „ohne Mampf kein Kampf“). Nur für den Fall, dass jemand von Euch in nächster Zeit einen Tagungsort suchen sollte 😉

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