#GEDANKENBLITZ | Unternehmensdemokratie und Demokratietheorie

Mit einer gewissen Begeisterung beobachte ich Diskussionen rund um das Thema Unternehmensdemokratie. Da freut sich der das Herz des Verwaltungswissenschaftlers, auch wenn ich gelegentlich auch amüsiert darüber bin, dass die Demokratietheorie von einigen Diskutanten neu erfunden wird.

Eines jedoch ist mir bei den Diskussionen deutlich und negativ aufgefallen: viele verkürzen den Demokratiebegriff auf wettbewerbsdemokratische Modelle – während die konkordanzdemokratischen Modelle wenig bis kaum eine Rolle zu spielen scheinen. Bestenfalls vielleicht noch unter dem Aspekt der direkten Demokratie. Schade, den es lohnt sich durchaus und gerade insbesondere im Hinblick auf die Diskussion sich stärker auf eben jene Modelle zu konzentrieren.

Wettbewerbsdemokratische Modelle basieren deutlich auf dem Mehrheitsentscheid und der daraus resultierende „The-Winner-Takes-All“-Mentalität mit der sich hieraus ergebenden Problematik der Tyrannei der Mehrheit. Unternehmensdemokratische Denkmodelle nach diesem Muster – dass lehrt auch schon die „klassische“ Demokratietheorie sind doch mit erheblichen Nebenwirkungen behaftet, die schon gesellschaftlich schwierig sind und daher aus meiner Sicht nicht unbedingt als Vorbild geeignet sind. Die Entscheidungsqualität dieses Prinzips ist – in seiner radikalen Ausprägung – nicht immer die zielführendste und beste, da der Interessensdiskurs zu kurz kommt. Auch stört mich dabei, Demokratie auf „Herrschaft“ zu verkürzen, d. h. darauf zu reduzieren, wer das sagen hat und auf den reinen Machtaspekt eindampft.

Viel interessanter sind daher – aus meiner Sicht auch die Grundlage eine entsprechende fruchtbare Diskussion konkordanzdemokratische Muster, wie zum Beispiel die Habermasche Vision eines deliberativen Demokratieverständnisses, die auf einem öffentlichen Diskurs basieren. Unternehmensdemokratie heißt eben nicht, die Mitarbeiter bestimmen, wo die Reise hingeht und der „Chef“ hat sich dem Mehrheitsentscheid zu beugen, sondern es heißt alle Interessen im Unternehmen in einem Diskurs eine gemeinsame Vision des Unternehmens (oder Organisation) entwickeln, die von allen Gliedern des Unternehmens (der Organisation) getragen wird. Der Interessenspluralismus rückt damit in den Fokus und gerade dieser ist es, der die Entscheidungsqualität erheblich beeinflussen kann. Nämlich in Form des kritischen eine gemeinsame Vision des Unternehmens (oder Organisation) entwickeln, die von allen Gliedern des Unternehmens (der Organisation) getragen wird. Der Interessenspluralismus rückt damit in den Fokus und gerade dieser ist es, der die Entscheidungsqualität erheblich beeinflussen kann. Nämlich in Form des kritischen Diskurses, der sich widersprechender Argumente, die zu einer thematischen Ausleuchtung verschiedenster Aspekte führt, damit die Entscheidungsqualität erhöht.

Den Begriff Demokratie – wie ich es in der Diskussion zum Teil beobachte – darauf zu verkürzen, wer „herrscht“ und sagt, wo es lang geht, vernachlässigt in der Diskussion den eigentlichen Zweck und Gedanken dahinter und diese liegt schlicht und ergreifend darin eine bessere Entscheidungsqualität zu erzeugen, in dem von mündigen Beteiligten ausgegangen wird, die in der Lage sind die verschiedenen Interessenlagen gemeinsam in Einklang zu bekommen. Und zwar zum Wohle aller Beteiligten – nicht einzelner. Demokratische Beteiligung hat damit durch aus einen qualitativen Aspekt, der nicht vernachlässigt werden sollte. Der Diskurs sich widersprechender Interessen erzeugt eine bessere Entscheidungsqualität, weil unterschiedliche Sichtweisen auf ein Thema zu einer deutlich besseren Durchleuchtung des Sachverhalts führen und erzeugt als Nebeneffekt eine höhere Akzeptanz der Entscheidung. Hieraus resultiert der qualitative Vorteil der Entscheidungsfindung.

Jetzt lässt sich sicherlich einwerfen, ob die mit der Vorstellung des Unternehmertums vereinbar ist. Denn schließlich ist es ja der Kapitalgeber, der ein Unternehmen ermöglicht. Aber ist es wirklich nur das Kapital, dass ein Unternehmen ermöglicht? Wohl kaum, denn ohne seine Mitarbeiter ist auch ein Unternehmer auf verlorenen Posten. Und genau genommen sitzen alle in einem Boot. Ob Unternehmer oder Mitarbeiter, ob Führungskraft oder Azubi. Sie alle sind vom Erfolg des Unternehmens oder der Organisation abhängig und haben damit ein gemeinsames Grundinteresse, dass die Basis für den Interessensausgleich schafft. Und das eben, ist die Idee der Unternehmensdemokratie. Zumindest nach der Lesart, wie ich es verstehe.

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Ein Gedanke zu „#GEDANKENBLITZ | Unternehmensdemokratie und Demokratietheorie

  1. Lieber Tom,

    wunderbar finde ich Deine „Ansage“. Wir stehen bei uns in der Diskussion im Moment auf dem Standpunkt, dass „Kapitalgeber“ lediglich eine Rolle im Zusammenspiel der Menschen ist, wie auch „Unternehmer“ (oder vielleicht auch nur: „Firmaimregisteranmelder“) eine Rolle darstellt. Beide Rollen sind nötig, wie auch andere Rollen, und als solche in ihrer Rolle zu hören. Ein einsamer Machtanspruch lässt sich daraus in erster Näherung nicht ableiten. Das scheint eher eine historische Interpretation zu sein.

    Außerdem erscheint mir persönlich die Rolle des Urhebers im Zusammenspiel in einer Organisation eine weitere wichtige zu sein. Aus dieser Rolle formen sich die Grundprinzipien einer Organisation. Als solche ist die Urheberschaft eine wichtige „Wächterin“ über diese Prinzipien, jedoch wiederum ohne daraus zwingend einen Machtanspruch ableiten zu können.

    Ob das in dieser Kürze nun verständlich war? Wie auch immer. Danke für Dein Statement.

    Beste Grüße
    Holger

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