#BUCHTIPP: „Wie sich Menschen organisieren, wenn ihnen keiner sagt, was sie tun sollen“ von Lars Vollmer

Heute möchte ich Euch ein kleines Büchlein von Lars Vollmer vorstellen, das mir sehr gut gefallen hat. Sein Buch „Zurück zur Arbeit“ hatte ich hier schon einmal im Blog empfohlen. In „Zurück zur Arbeit“ hat der Autor beschrieben, wie in vielen (bürokratischen) Organisationen der eigentliche Organisationszweck in den Hintergrund rückt und statt wertschöpfender Arbeit immer mehr die Selbstbeschäftigung mit der Organisation im Mittelpunkt steht. Er hat damit – so mein Eindruck – sehr vielen aus der Seele gesprochen und ihr Erleben in der Arbeitswelt formuliert und auf den Punkt gebracht. Zusammengefasst beschreibt er in diesem Buch den weberianischen Albtraum eines bürokratischen Apparats, der zunehmen selbstreferenziell geworden ist bzw. wird und in der Beschäftigung mich selbst zu „verknöchern“.  Ein Aspekt, vor dem der Vater der Organisatiosoziologie, Max Weber, bereits in seinem wegweisenden Arbeiten zum Bürokratiemodell hingewiesen hat. Lars Vollmer beschreibt mit „Zurück zur Arbeit“ die Auswirkungen dieses Zustands, auch auf die Mitarbeiter der entsprechenden Organisation. Einer meiner Kritikpunkte an seinem Buch war das Fehlen einer „Lösung“. Nicht im Sinne einer Blaupause oder eines Meisterplans, sondern im Sinne von Hinweisen und grundlegenden Prinzipien, die entgegenwirken. Diese Schwäche gleicht er jetzt mit „Wie sich Menschen organisieren, wenn ihnen keiner sagt, was sie tun sollen“ aus.

Zum Inhalt

Das gerade mal 84 Seiten umfassende Büchlein ist im Stil seiner „Gehdanken“-Videos, die er regelmäßig auf Youtube veröffentlicht verfasst. Insgesamt 7 1/2 Gedanken bilden dabei die Basis oder die jeweiligen Kapitel. Jeder dieser Gedanken dreht sich um die Frage, was wäre, wenn eine Organisation vollständig hierarchiefrei funktionieren würde und welche Voraussetzungen hierfür erforderlich sind. Plakativ, nachvollziehbar und mit alltagstauglichen Beispielen untermauert er dabei seine Gedankengänge. Mit unter Müssen dann auch schon mal Metaphern aus dem Sport herhalten, was sicherlich für weniger sportbegeisterte Menschen im ersten Moment irritierend zu sein scheint, aber es passt (ich bin einer diese „Publikumsportmuffel“ 😉).

Es – das betont der Autor auch am Ende seines Buches – geht nicht darum Hierarchien, bürokratische Strukturen als solche vollständig infrage zu stellen. Sie haben schließlich auch ihre Daseinsberechtigung, sondern es geht darum wieder eine ausgewogene Austarierung zu erzeugen. Es gibt Bereiche, in denen Selbstorganisation seine Vorteile ausspielt und der bessere Weg ist, im Vergleich zur tayloristisch geprägten Arbeitsteilung und Standardisierung. In einer Welt, in der das Unvorhersehbare immer öfter Normalzustand wird, ist eine reine „mechanische“ Arbeitsweise destruktiv. In diesem Sinn sind seine 7 1/2 Gedanken eine Anregung, sich auf selbstorganisierte Strukturen einzulassen und die Angst davor zu verlieren.

Fazit

Das Buch enthält vielen interessante Gedankenimpulse und ich bin beinah versucht, mir diese 7 1/2 Gedanken als Zusammenfassung in einem Plakat zusammenzustellen und mir ins Büro zu hängen (es sei den der Autor greift die Idee auf und bietet als kleines „Schmankerl“ ein solches Plakat als Download an 😉).

Das Buch wird einer wissenschaftlichen „Prüfung“ nicht standhalten. Anders als beim dem Buch „Aufbruch der Unternehmensdemokraten“ von Andreas Zeuch fehlen entsprechende Verweise und Belege auf wissenschaftliche Studien. Wer also entsprechende Quellen und Belege sucht, wird hier etwas enttäuscht sein. Es ist ein Buch der Gedankenimpulse. Praktisch orientiert, leicht zu lesen und eingängig. Eine spannende Anregung zum Selbstnachdenken.

Ein Gedanke, der mir allerdings beim Lesen am Ende des Buches, durch den Kopf ging, ist die Frage wie viel Eigenverantwortung wollen/können wir verantworten und übertragen? Wo sind die Grenzen, insbesondere da Lars Vollmer zum Ende des Buches selbst die gesamtgesellschaftliche Dimension zu Sprache bringt. Eine Sorge, die auf diejenigen abzielt, die Eigenverantwortung für sich, aus welchen Gründen auch immer nur begrenzt oder gar nicht übernehmen können. Hier werde ich wohl in Zukunft noch etwas daran Zahnen, den dabei geht es um die berühmte und bereit uralte Frage, wie viel Individuum und wie viel Gemeinschaft wir tatsächlich brauchen und wie der Ausgleich aussehen kann. Eine Frage, die nicht nur die Gesellschaft, sondern letztendlich auch die Arbeitswelt betrifft.

Buchdaten

Titel: Wie sich Menschen organisieren, wenn ihnen keiner sagt, was sie tun sollen
Autor: Lars Vollmer
intrinsify.me Verlag, Berlin, 2017
Hardcover gebunden, 84 Seiten
Preis: EUR 15,00 (D/A) CHF 17,00 (CH)
ISBN: 978-3981918007

Das Buch ist auch als E-Book und Hörbuch erhältlich

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