#GEDANKENBLITZ | Wenn Organisation zum Selbstzweck wird

Als Max Weber in seinem Buch „Wirtschaft und Verwaltung“ das Bürokratiemodell beschrieben hat, ist es ihm nicht nur gelungen, uns ein Rahmenmodell für moderne Organisationen zu geben, sondern er hat uns eine Warnung mitgegeben.

Wenn Organisation – als Bürokratie – zum Selbstzweck wird, fällt der eigentliche Sinn jeder Organisation hinten runter und das System erstarrt. Und doch ist genau, dass was viele schon seit Jahren beobachten und bemängeln. Organisation wird zum Selbstzweck, nicht mehr zum Mittel einen Zweck zu erfüllen. Unternehmen oder anderen Organisationen beschäftigen sich mit sich selbst intensiver, als mit der Aufgabe für die sie geschaffen wurden. Der Sinn der Organisation geht verloren. Der Sinn der Arbeit geht verloren. Mensch wird zum Teil der Maschinerie und von seiner Arbeit „entfremdet“ (Karl Marx lässt grüßen).

Genau diese Beobachtung ist, die viele von uns im beruflichen Alltag machen und die uns zunehmend auf die Füße fällt. Das hört sich nach einem Luxusproblem an. Aber wenn der Zweck eines Unternehmens, die Erstellung eines Produkts oder einer Dienstleistung, sich der Organisation unterordnen muss, dann läuft etwas gewaltig falsch. Wenn das Werkzeug nicht mehr das Mittel zum Zweck, sondern zum Zweck selbst wird, ist der Sinn unseres Tuns und der Organisation, nicht mehr erkennbar. Er wird förmlich verstümmelt.

Kein Unternehmer wird ein Unternehmen gründen, weil einfach nur beschäftigt sein will oder weil er Profit anstrebt. Er oder sie gründet ein Unternehmen, weil er eine Idee hat. Eine Idee von einem Produkt oder einer Dienstleistung, von der der Unternehmer glaubt, dass sie einen Mehrwert schafft. Gleiches gilt für einen Verein oder andere Organisation. Sie werden gegründet, um ein Ziel zu erreichen. Etwas zu schaffen, dass Nutzen stiftet. Organisation ist ein Hilfsmittel diesen Zweck zu erfüllen.

In diesen Fällen sollten wir uns nicht wundern, wenn nicht mehr Mehrwert für unseren „Kunden“ im Fokus steht. Wir sollten uns nicht dann nicht mehr wundern, wenn der Kunde nur noch eine lästige Notwendigkeit ist und der Mitarbeiter zur Ressource degradiert wird. Denn es geht nicht mehr darum ein Gut, eine Produkt oder Dienstleistung zu erstellen, die Nutzen stiftet und ein Problem löst, sondern nur noch darum die Maschinerie am Leben zu halten. Da hilft auch der Ruf nach Agilität nicht weiter. Hier verkommt Agilität zu hohlen Schlagwort, zur reinen Phrase und Methode, ja sogar zum Buzzword, mit dem sich alles verkaufen lässt.

Das Ziel muss daher sein, Organisation wieder zum Mittel zu Zweck und nicht zum Selbstzweck zu machen. Sie sind die Antwort auf die Frage, warum wir Organisationen – gleich welcher Art – schaffen: Wir wollen mit deren Hilfe ein Problem lösen. Einen Mehrwert schaffen.

Dabei geht es nicht – wie mensch meinen könnte – darum das Bestehende abzuschaffen oder vollständig infrage zu stellen. Es geht um die Rückbesinnung auf den Sinn der Organisation. Es geht darum den Trend, zum „Selbstzweck“ der Organisation zu brechen und wieder dorthin zurückzuführen, das zu tun für was Organisationen geschaffen werden und wurden: Probleme lösen, echten Mehrwert schaffen.

Weder agile Methoden noch New Work oder sonst eine Managementmode werden das Problem bei der Wurzel packen. Sondern lediglich die Rückbesinnung auf den Organisationszweck, den Sinn einer Organisation als Leitstern sind es, die uns helfen werden.

 

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